Ein betrübter Witwer wird von seinem besten Freund zurück ins Leben geschubst, indem er eine Dating-Situation inszeniert. Was folgt, wurde zu einem der Lieblingsfilme zahlreicher Filmfans und Filmschaffender, darunter auch Quentin Tarantino, und landete im FILMSTARTS-Ranking der am meisten verstörenden Filme aller Zeiten.
Und jetzt ist es besonders leicht, den Genre-Mix „Audition“ von Regie-Tausendsassa Takashi Miike zu schauen. Denn ab sofort ist „Audition“ bei HBO Max im Abo enthalten. HBO Max wiederum könnt ihr als alleinstehenden Dienst abonnieren sowie als Prime Video Channel* bei Amazon!
"Audition": Vom Vorsprechen zum Verbrechen
Sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau traut sich Shigeharu Aoyama (Ryō Ishibashi) zurück in die Welt des Datings – und das auf ungewöhnliche Weise: Sein bester Freund, der Film- und Fernsehproduzent Yasuhisa Yoshikawa (Jun Kunimura), inszeniert ein Vorsprechen, in dessen Rahmen der Witwer seine neue Geliebte casten soll. Tatsächlich verliert Shigeharu sein Herz an die zurückhaltende Asami Yamazaki (Eihi Shiina), die seine Zuneigung erwidert. Alles sieht rosig aus, doch dann nimmt die Geschichte eine drastische Wende...
Obwohl „Audition“ ein gefeierter Film ist, ist es durchaus knifflig, ihn einem bislang uneingeweihten Publikum nahe zu bringen: Miike spielt in diesem modernen Klassiker bewusst mit der Erwartungshaltung des Publikums, und es wäre schade, unwissenden Filmfans vorab zu viel Wein einzuschenken.
Jedoch ist es ja nicht gerade so, als würde die FSK-18-Freigabe keine Richtung vorgeben. Die dadurch geschürten Erwartungen müssen aber genauso gezügelt werden: „Audition“ ist kein Metzelfilm, wie schon in der FILMSTARTS-Kritik, in der „Audition“ starke vier Sterne erhalten hat, festgehalten wird!
Miikes kontroverser Hit beginnt als dramatische, gesellschaftliche Verlogenheit und männliches Herrschaftsdenken entlarvende Liebesgeschichte, und wandelt sich daraufhin zum subtilen Psychohorror, bevor die nächste tonale Wende erfolgt. Das Dilemma mit „Audition“ ist sozusagen, dass man Uneingeweihte weder emotional unvorbereitet auf seine Drastik loslassen sollte, noch ihnen Lust auf eine Hirn-aus-Schlachtplatte machen darf.
Der raffinierte Genrehybrid funktioniert auf eine ihm eigene Weise – das aber immens erfolgreich. Umso besser, dass viele Filmfans den in Deutschland noch immer viel zu unbekannten Titel nun dank seiner prominenten Platzierung im Streaming sicherlich neu entdecken werden und somit die Gelegenheit erhalten, sich auf diese eigenwillige, finstere und (im mehrfachen Wortsinne) alles andere als blutleere Geschichte einzulassen.
Und wenn ihr danach noch einen filmischen Schlag in die Magengrube vertragen könnt: Wagt euch doch auch an unseren folgenden Streamingtipp!