Nicht nur amerikanische oder britische Regisseure haben es in Hollywood bis ganz nach oben geschafft. Auch der ein oder andere mexikanische Filmemacher stieg in den vergangenen Jahrzehnten in den Olymp der Traumfabrik auf. Guillermo del Toro, Alfonso Cuarón und Alejandro González Iñárritu gehören dabei zweifellos zu einer besonders erfolgreichen Generation.
Letzterer zeichnete unter anderem für die mehrfach mit dem Oscar prämierte schwarze Komödie „Birdman“ verantwortlich und sorgte 2016 mit „The Revenant“ dafür, dass Leonardo DiCaprio seinen ersten Academy Award mit nach Hause nehmen konnte. Für sein neuestes Projekt konnte der Ausnahmeregisseur nun erneut einen echten Hollywood-Star vor die Kamera holen: keinen Geringeren als Tom Cruise.
In den Trailern, die wir zu „Digger“ bereits zu sehen bekommen haben, ist der mittlerweile 64-Jährige dabei kaum wiederzuerkennen. Mit grauen, über die Glatze gekämmten Haaren, jeder Menge Falten und einem stattlichen Bierbauch hat Cruise nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Action-Helden, den wir sonst von ihm gewohnt sind. Chapeau an die Maskenabteilung!
Ob die abgedrehte Action-Komödie auch darüber hinaus überzeugen kann, wird sich für das breite Publikum allerdings erst ab dem 1. Oktober 2026 zeigen, wenn „Digger“ in den Kinos startet. Ein ausgewähltes Pressepublikum durfte den Film jedoch bereits sehen – und die ersten Reaktionen könnten kaum unterschiedlicher ausfallen.
So unterschiedlich wird der Film wahrgenommen
Jeff Hemphill von IndieWire zeigte sich beispielsweise äußerst angetan und bescheinigte „Digger“ nicht nur Tom Cruises beste Leistung seit „Magnolia“, sondern auch, einer der „konzeptionell gewagtesten und unvorhersehbarsten Studiofilme, die je gedreht wurden“ zu sein.
“Digger” not only showcases Tom Cruise’s best performance since “Magnolia,” it’s one of the most visually inventive, conceptually audacious, and unpredictable studio movies ever made. Takes so many bold aesthetic swings it makes “Bardo” look like an episode of “The Golden Girls.”
— Jim Hemphill (@JimmyHemphill) September 22, 2026
Auch seine Kollegin Anne Thompson war begeistert. Sie bezeichnete „Digger“ auf X als einen „mutigen und wunderschönen Kunstfilm“, der zwar beim Mainstream-Publikum nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen werde, dafür aber bei der Academy punkten könnte – insbesondere in den technischen Kategorien und bei den Schauspieler*innen. Bei Tom Cruise, so Thompson, dürften die Kritiker*innen hingegen geteilter Meinung sein.
A.G. Iñárritu's Digger is a brave and gorgeous art film that will not score with mainstream audiences but will play best for the Academy, especially crafts and actors. But critics will divide on Cruise. The tour-de-force amphitheater scene might put him across. Riz Ahmed is fab.
— Anne Thompson (@akstanwyck) September 22, 2026
Weniger eindeutig fällt das Urteil von Hoai-Tran Bui aus. Ihre Meinung zu „Digger“ sei „sehr gemischt“: Es habe durchaus Dinge gegeben, die ihr gefallen hätten – darunter auch Cruises Darstellung. Andere Aspekte fand sie hingegen „absolut unerträglich“. Sie sei zwar zuvor kein eingefleischter Iñárritu-Hasser gewesen, könne nun aber „irgendwie nachvollziehen“, warum manche eine solche Haltung gegenüber dem Regisseur hätten.
Very mixed on DIGGER which had things I liked (Cruise’s performance included) and things I found absolutely insufferable. I wasn’t a devoted Inarritu hater before this but now I kind of get it! Riz Ahmed innocent
— Hoai-Tran Bui (@htranbui) September 22, 2026
Noch deutlich härter fällt das Urteil von Joey Magidson von Award Radar aus. Für ihn ist „Digger“ schlicht „ein einziges Durcheinander. Tom Cruise und Alejandro G. Iñárritu gehen hier ein großes Risiko ein, doch trotz des großartigen Produktionsdesigns und ihres Engagements für ihre gewagten Entscheidungen funktioniert hier nicht besonders viel. Cruise spielt gut und Riz Ahmed ist ein Highlight, aber Mann, das hat wirklich keinen Spaß gemacht.“
Digger is a mess. Tom Cruise and Alejandro G. Iñárritu are taking a massive swing here, but despite some great production design and a commitment to their big choices, not a whole lot works here. Cruise is good and Riz Ahmed is a highlight, but man this wasn’t enjoyable. #Digger https://t.co/dCQEtDlSYG
— Joey Magidson (@JoeyMagidson) September 22, 2026
Auch Ryan Swen ist nicht sonderlich begeistert. Zwar findet er „Digger“ häufig „unlustig und flach“, hebt gleichzeitig aber Iñárritus Arbeit hervor. Der Regisseur zeige sich hier „ungewöhnlich konzentriert“ und mache den Film aus verschiedenen Gründen als Auseinandersetzung mit dem eigenen Platz angesichts der Apokalypse durchaus faszinierend. Zwar sei „Digger“ seiner Ansicht nach nicht gelungen, dafür aber überraschend provokativ.
DIGGER: Often unfunny and flat, and yet… González Inñárritu is uncommonly focused here, and for various reasons that must wait to be discussed this is pretty fascinating as an exploration of one’s place in the face of the apocalypse; unsuccessful but surprisingly provocative.
— Ryan Swen/孫天行/Sun Tien-hsing (@swen_ryan) September 22, 2026
Richtig begeistert zeigt sich hingegen Jake Hamilton. Für ihn ist „Digger“ sogar sein „Lieblingsfilm des Jahres 2026“. Da er Spoiler vermieden habe, hätten die zahlreichen Überraschungen eine „unglaubliche Wirkung“ entfaltet. Der Film erinnere ihn ein wenig an Stanley Kubrick und ein wenig an „Black Mirror“, wirke dabei aber trotzdem eigenständig. Hamilton beschreibt „Digger“ als „eine surreale, schräge, witzige Auseinandersetzung mit der (menschlichen) Natur und dem Geschichtenerzählen“ – und zählt Cruises Darstellung zu den besten seiner Karriere.
DIGGER is my favorite film of ‘26 — I avoided spoilers, so the surprises had an incredible impact. A bit Kubrick, a bit BLACK MIRROR but also feels original — a surreal, weird, funny study on (human) nature and storytelling. @TomCruise’s performance ranks among his career best. https://t.co/bOm4wlNroa
— Jake Hamilton (@JakesTakes) September 22, 2026
Eine klare Tendenz lässt sich aus den bisherigen Reaktionen also noch nicht ablesen. Während einige Kritiker „Digger“ bereits als außergewöhnlich mutigen und originellen Film feiern, können andere mit Iñárritus neuestem Werk nur wenig anfangen. Wie die Action-Komödie letztlich beim großen Publikum und der gesamten Presse ankommt, wird sich spätestens mit dem Kinostart am 1. Oktober zeigen.
Übrigens: Mit welchem Regisseur sich Tom Cruise einst überhaupt keine Zusammenarbeit vorstellen konnte, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel: