Viele assoziieren Clint Eastwood noch immer vor allem mit seinen ikonischen Schauspiel-Auftritten in Western wie „Für eine Handvoll Dollar“ oder der „Dirty Harry“-Reihe – doch seine Arbeit hinter der Kamera hat womöglich noch größere Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen. Eastwood hat bei insgesamt 41 Filmen Regie geführt, von denen heute viele als Klassiker und Meisterwerke gelten. Für den Spätwestern „Erbarmungslos“ sowie das Sport-Drama „Million Dollar Baby“ erhielt er jeweils einen Oscar als Bester Regisseur.
Mit „Juror #2“ hat Eastwood vor rund zwei Jahren seinen mutmaßlich letzten Film als Regisseur in die Kinos gebracht – kein Wunder, schließlich ist er inzwischen 96 Jahre alt! Wer also schon einmal die Chance hatte, mit der lebenden Leinwand-Legende zusammenzuarbeiten, kann sich glücklich schätzen. Während sich nicht wenige Hollywood-Stars regelrecht darum gerissen haben, einen Part in einem seiner Filme zu ergattern, hat Eastwood aber von einem Schauspieler einen Korb kassiert – die Rede ist von Woody Harrelson!
Woody Harrelson lehnt einen der besten Filme von Clint Eastwood ab
Vor 31 Jahren bekam der spätere „Die Tribute von Panem“-Star das Angebot, in „Die Brücken am Fluss“ mitzuspielen, bei dem es sich mit einem weltweiten Einspielergebnis von 182 Millionen US-Dollar bis heute um den fünfterfolgreichsten Film in Eastwoods Karriere handelt.
Im Mittelpunkt des Melodrams steht die Fotografin Francesca Johnson (Meryl Streep), die während einer mehrtägigen Abwesenheit ihrer Familie im Jahr 1965 alleine auf ihrer Farm in Iowa zurückbleibt – und eine stürmische Affäre mit dem Fotografen Robert Kincaid (Eastwood) beginnt. Gerahmt wird die Geschichte von einer Gegenwartshandlung, in der Francescas inzwischen erwachsene Kinder die Tagebücher ihrer unlängst verstorbenen Mutter entdecken und so von ihrer geheim gehaltenen großen Liebe erfahren.
Harrelson bekam das Angebot, Francescas Sohn Michael zu verkörpern (dem letztlich Victor Slezak sein Gesicht lieh) – sah aber keinen großen Reiz in dieser Aufgabe. „[...] Ich sollte Teil des Geschwisterpaars in der Gegenwart sein – und das war keine besonders dankbare Rolle“, so Harrelson im Interview mit GQ. „Ich hielt diese Sprünge in die Gegenwart auch ehrlich gesagt gar nicht für nötig.
Man kennt das ja: Sie sagen einem ‚Wir haben Meryl Streep in der Vergangenheit – und die langweiligen Leute in der Zukunft...‘ Darauf hatte ich keine Lust. Man sieht das in so vielen Filmen, in denen Figuren in der Gegenwart gezeigt werden, aber die eigentliche Geschichte in der Vergangenheit spielt. Warum macht man das überhaupt? Warum erzählt man nicht einfach die Geschichte aus der Vergangenheit und lässt die andere Zeitebene komplett weg? Denn meistens denkt man sich doch nur: ‚Verdammt, das will ich gar nicht sehen, bringt mich zurück zur eigentlichen Story.‘“
Da hat Harrelson sicher einen Punkt, wobei es auch Fälle gibt, in denen dieses Konzept sehr gut aufgeht und dem Film tatsächlich etwas gibt – so hatte ich mich etwa an die Gegenwartshandlung von „Titanic“ immer als Schwäche erinnert, kam bei einem Wiedersehen allerdings zu einem anderen Schluss.
Grundsätzlich ist es aber verständlich, dass Harrelson es als undankbar empfand, eine Nebenfigur zu spielen, deren einzige Funktion es ist, den Protagonisten zuzuarbeiten – zumal er damals längst dabei war, sich als Hauptdarsteller zu etablieren. Statt „Die Brücken am Fluss“ übernahm Harrelson schließlich die Titelrolle im Biopic „Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“ und wurde dafür mit seiner ersten von insgesamt drei Oscar-Nominierungen belohnt. Zu bereuen hat er also nichts – vielleicht abgesehen davon, nie eine Regieanweisung von Eastwood bekommen zu haben!
Wobei der „Cry Macho“-Darsteller ohnehin nicht gerade dafür bekannt war, ausufernd mit seinen Schauspieler*innen zu kommunizieren – womit beispielsweise Meryl Streep zunächst gar nicht umgehen konnte, wie ihr im folgenden Artikel nachlesen könnt: